Bereits bei den alten Ägyptern wurden Perücken sowohl von Frauen als auch von Männern getragen. Im antiken Griechenland und im Römischen Reich setzte sich diese Tradition fort, allerdings trugen hier nur die Frauen Perücken. Im Mittelalter kam fremdes Haar weitgehend aus der Mode. Unverheiratete Frauen trugen ihr Haar offen und verheiratete bedeckten es in der Öffentlichkeit mit einem Tuch oder einer Haube. In Mode kamen Perücken wieder zu Zeiten des Barock. So entstand Mitte des 17. Jahrhunderts die erste Innung von Perückenmachern im kulturell hoch stehenden Paris. Als der französische König Ludwig XIV zu einer Perücke griff, um sein schütteres Haar zu bedecken, stellte sie plötzlich ein wichtiges Statussymbol dar und entwickelte sich in ganz Europa zum Attribut für höfische Kleidung. Mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts kamen weiß gepuderte (meist mit Mehl) Perücken auf. Sie wurden vorwiegend aus Ziegen- oder Rosshaar hergestellt und die Locken waren waagerecht angeordnet. Spätestens mit der französischen Revolution neigte sich die Perückenmode ihrem vorläufigen Ende entgegen. Seitdem sind Perücken nicht mehr wirklich in Mode gekommen. Ihre Berechtigung beziehen sie in der heutigen Zeit aus ihrer Verwendung durch die Filmbranche und am Theater. Für Menschen mit Haarausfall oder sehr schütterem Haar (z. B. während und nach einer Chemotherapie) können sie jedoch ein nicht zu unterschätzendes psychologisches Hilfsmittel sein, um ihnen mehr Sicherheit im Alltag zu vermitteln. Häufig verwenden Frauen eine Perücke, um auch in sehr kurzer Zeit ihre „Frisur“ herzurichten.
In der heutigen Zeit werden Perücke sowohl aus menschlichem Echthaar als auch aus synthetischem Haar hergestellt. Sehr oft stammen die echten Haare von Menschen, die in ärmeren Ländern leben und sich damit ein Zubrot verdienen. Zuerst werden die Haare gewaschen und danach nach ihrer Länge sortiert, um später gefärbt oder gekraust zu werden. Für eine 50 cm lange Damenperücke werden etwa 120 bis 350 Gramm Haare benötigt. Für eine Maßanfertigung benutzt man Perückenköpfe, die in den meisten Fällen aus Holz, manchmal aus Porzellan und in der heutigen Zeit zunehmend aus Kunststoff sind.